Was für eine Location…
(von Harry Oellers)

Tja und nun war es soweit. Wir sollten nach Transilvanien (Rumänien) um dort ein Konzert beim Schloss Bran zu spielen, in dem einst Prinz Vlad Tepes residierte, besser bekannt unter seinem Beinamen Drăculae.

Vlad Tepes Drăculae, bedeutet Vlad, der Sohn von Dracul. Den Beinamen Dracul hatte der Vater erhalten, da er ein Mitglied des Drachenordens war - abgeleitet vom lateinischen draco.

Ein bisschen mulmig war mir dann schon zumute, als ich dann am Freitag morgen um 5.30h (ja richtig) auf dem Bahnsteig stand, auf dem Weg nach Wuppertal, wo ich mit Marco und Alex verabredet war um dann gemeinsam zum Flughafen Dortmund zu fahren, wo der Flug starten sollte. Bei der Überlegung, ob es nun ratsam gewesen wäre, nicht doch ein paar Knollen Knoblauch einzustecken, kam mir auch in den Sinn, vielleicht mal nach meinem Ausweis zu schauen, den man für Auslandsreisen ja benötigt.

Beim Blick in meine Brieftasche ging, der Zug fuhr gerade auf dem Bahnsteig ein, musste ich dann auch leider feststellen, dass zwar alles vorhanden war, nur mein Ausweis nicht. Ich musste also wohl oder Über den Zug fahren lassen, wieder nach Hause gehen, um dort meinen Ausweis zu holen. Mir blieb dann nichts anderes übrig, als dann mit dem Wagen direkt nach Wuppertal zu fahren. Damit war meine Planung erst mal dahin.

Es hatte den Anschein, als wolle jemand verhindern, dass ich abreise. Spirit.

Der Rest der Reise war aber dann doch sehr angenehm bis zur Ankunft in Bukarest, ein für eine europäische Hauptstadt verwunderlich kleiner Flughafen.
Wir trafen auf einige Kollegen von den anderen Bands, die ebenfalls auf dem Festival spielen sollten. Keiner hatte Knoblauch dabei und ich war etwas beruhigter.

Jetzt galt es aber die erste wirklich Herausforderung für diesen Tag zu lösen. Deutschland spielte im Rahmen der WM heute gegen Serbien und der Anpfiff sollte in einer halben Stunde sein. Gott sei Dank gab es ein Restaurant in der Nähe, das einen großen Fernseher besaß.
Die Chefin freute sich sehr über die um diese Zeit schon sehr trinklustigen Musiker und der Bierpreis bewegte sich im Luxussegment von ca. 80Cent für eine 0,5l Flasche.

Leider mussten wir dann nach der ersten Halbzeit, trotz aller Proteste , aufbrechen, da noch eine Anreise von ca. 4 Stunden nach Brasov , der Ort in dem das Schloss steht, bevorstand.

Mir fiel nur kurz auf, dass ich an diese Tag ja noch nichts gegessen hatte, aber ich war doch sehr zuversichtlich, dass wir abends vom Gastgeber gut verköstigt würden.

Das Hotel war gut und um 20h war ein offizieller Empfang im Schloss Barn geplant. Der hatte es dann auch in sich. Wir wurden von Schaustellern in ritterlichen Kostümen empfangen und im Innenhof spielte ein klassisches Streichquartett. Der Gastgeber (der deutsche Konsul von Sibiu) und seine Frau begrüßten die Horde Metaller und stellte die örtlichen Sponsoren vor. Alles in feinstem Ornat und im krassen Gegensatz zu den Metallern, die wie üblich, alle in schwarz aufschlugen.


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Eine beeindruckende Kulisse im Innenhof des Schlosses, reichlich Wein, und sehr leckere Spieße (leider zu wenig) und der Abend war gerettet.

Ich war froh, als ich dann kurz nach Mitternacht im Bett lag. An Dracula hab ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr gedacht.


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Am nächsten morgen ging‘s dann nach dem Frühstück auf's Gelände. Soundcheck war geplant.

Die Bühne war noch nicht fertig verkabelt und ich nutzte die Gelegenheit, in der Stadt ein paar Souvenirs zu kaufen:
Eine Flasche Vampir-Blutwein, eine Dracula Tasse, ein Dracula T-Shirt und ein Ton Abdruck vom Schloss Bran für die Wand (total kitschig).

Nach kurzem Check der Instrumente ging‘s dann wieder Richtung Hotel. Es fanden ja noch einige WM-Spiele an diesem Tag statt, die ich auf keinen Fall verpassen wollte.

Die Show sollte um 22h sein und wir verabredeten uns für 21h in der Hotellobby um gemeinsam aufs Gelände zu fahren. Da das Wetter sehr gut und sonnig war, gingen wir später noch in der Stadt einen Kaffee (oder so) trinken.

Als wir gen 21.30h auf dem Gelände ankamen, war die Band vor uns gerade fertig und die Techniker fingen an mit dem AXXIS Bühnenaufbau.
Derweil zog sich der Himmel langsam zu und starkes Wetterleuchten setzte ein. Es gab technische Probleme, so dass sich der Start des Konzertes verschob. Dem Publikum machte das nichts. Die feierten schon vorher.

Um 22.45h konnten wir dann, bei leicht einsetzendem Nieselregen, die Bühne betreten. Alles war ok, bis zum Akustikset.
Plötzlich, und ich meine plötzlich, wurde aus dem Nieselregen ein Wolkenbruch und gleichzeitig setzte ein Sturm!!! ein, der den Regen auf die überdachte Bühne wehte.
Wir mussten bis ganz nach hinten zurück, aber der Wind hatte bereits das Drumset von Alex umgeweht. Der musste erst mal seine Trommeln wieder einsammeln. Ebenso hatte ich mehr damit zu tun, mein Keyboard, das auf einem Case mit Rollen lag, festzuhalten, da es unbedingt wegrollen wollte.

Der Sturm peitschte eiskalten Wind über die Bühne. Alles wurde nass, aber was die Band auf der Titanic kann, kann Axxis schon lange. Wir spielten weiter. Das Publikum blieb und Marco machte vor, was man am besten macht in einer solchen Situation. Hemd aus und mit nacktem Oberkörper in den Regen und bangen. Die Leute waren begeistert und machten mit. Als es dann aber so schlimm wurde, dass der Veranstalter Angst hatte, die Bühne würde dem Wind nicht standhalten, wurde das Konzert abgebrochen. Somit fielen die Zugaben wortwörtlich ins Wasser und mit ihnen alles andere. Sowas hab ich in meinen 20 Jahren mit der Band noch nicht erlebt.

Das Gewitter wurde noch heftiger, die Donner lauter und wir flohen ins sichere Hotel zur geplanten Aftershow Party.

Gegen 2.30h kam dann das Shuttle zum Flughafen und um 5.30h waren wir da. Völliges Chaos am Flughafen, der viel zu klein ist um solche Massen von Menschen, die an diesem Morgen da waren, zu transportieren.
Mit viel Geduld und langen Wartezeiten, konnten wir dann endlich einchecken. Im Flieger hab ich dann das erste Mal in dieser langen Nacht, wenigstens für eine Stunde, die Augen zugemacht.

Gelandet in Dortmund, kam mir das Ganze dann irgendwie unwirklich vor. Zwar blieb ich von Dracula verschont, aber die Erinnerungen an die vergangenen zwei Tage, werden sich in mein Gedächtnis dennoch einbrennen.

Vielen Dank noch mal an Marcel Körner, der als Bassist für Rob für diese Show eingesprungen ist, der tapfer mitgehalten hat.

 

Eurer
Harry

 

Ankunft am HotelSpaziergang zum SchloßDas Schloßdie musikalische Unterhaltung beim Empfang für die MetallerDer deutsche Konsul mit FrauMarcel macht den Rundgang durch's Schloß mitHarry's neuer FreundDer Aufbauauf der Bühne im RegenParty nach der Show